Endlich schlafen - ohne Angst vor der Nacht


Endlich mal wieder so richtig gut und lange schlafen können, ohne Angst vor der Nacht zu haben – diesen Wunsch hatte ich so oft.

Du kennst vielleicht das Gefühl, welches sich so ganz langsam anschleicht, wenn es draußen beginnt zu dämmern. Der Tag war schon anstrengend genug und jetzt kommt da auch noch diese dunkle – gefühlt nie enden wollende – Nacht.

Es hat mich jeden verdammten Abend so genervt und die Angst dazu hat mich noch einmal mehr genervt. Wie oft habe ich mich gefragt, was mit mir nicht stimmt. Es konnte doch nicht sein, dass ich nicht in der Lage dazu bin, mich einfach in mein Bett zu legen, die Augen zu schließen, um dann einzuschlafen. Nee, so ging es bei mir leider nicht.

Das Blöde:
Je öfter die Nach schlecht war, umso mehr Angst baute sich vor der nächsten Nacht auf. Du kannst dir vorstellen – das machte es nicht besser.
Ganz egal wie kaputt und müde ich auch war…wenn ich im Bett lag war an Schlaf nicht mehr zu denken. In meinem Kopf kreisten die Gedanken. Dazu kamen oft noch Panikgedanken. Automatisch liefen irgendwelche Horrorszenarien vor meinem inneren Auge ab. Oder aber mein ganzer Körper wurde kribbelig, meine Kehle wurde enger und ich hatte einen ganz unangenehmen Druck auf der Brust. Damit war dann an Schlaf auch nicht zu denken. Meist schaltete ich dann auch das Licht wieder ein, da ich auf weitere Ängste in der Dunkelheit gut verzichten konnte.

Nach längerem Hin- und Her wälzen fing ich an, nach Tipps für einen besseren Schlaf zu suchen. Die meisten Dinge funktionierten allerding eher schlecht – na gut…gar nicht. Schlimm für mich waren diese oberflächlichen klugen Ratschläge und das häufige Unverständnis. Nach dem Motto, ich solle mich doch bei ein bisschen Schlafschwierigkeiten mal nicht so anstellen.
Ja nee, ist klar. Wenn es nur das gewesen wäre.  Dazu kamen allerdings die Tage mit der Depression und einer Angststörung durchzustehen, inklusive der zu verarbeitenden Trennung von einem Narzissten.  Dadurch waren die Tage so verdammt anstrengend, dass ich mich jedenfalls nachts nach etwas Ruhe sehnte. Aber nein – ich war einfach 24 Stunden von Unruhe getrieben.

Mit Medikamenten hatte ich mir die schnellste Lösung erhofft, aber die haben mir überhaupt nichts gebracht. Im Gegenteil. Nebenwirkungen konnte ich nicht noch zusätzlich gebrauchen.
Also begann ich, jeden Abend kurz vor dem Schlafen gehen einen kleinen Spaziergang zu machen. Wirklich kurz und ganz langsam. Das hat mir jedenfalls so weit geholfen, dass ich den Weg ins Bett etwas entspannter absolvieren konnte.
Aber nach kurzer Zeit dann wieder – zack – Kopfchaos.
Es ist echt nicht normal, wie viele Gedanken zeitgleich gedacht werden wollen.

Ich weiß gar nicht mehr, was mich mehr gestört hat – dieses Gedankenkreisen oder die ganzen körperlichen Symptome. Schlimm waren auch die Momente, in denen sich in mir alles anfühlte wie ein großes schwarzes Loch. Die Momente, ich denen ich einfach nur dalag, ohne jegliches Gefühl – es entstand gähnende Leere im Kopf und irgendwie auch nicht.

Mein nächster, zusätzlicher Versuch war dann:
Ich blieb so lange wach, bis es wirklich nicht mehr ging und morgens stellte ich mir trotzdem ganz normal den Wecker. Ich wollte wieder einen ordentlichen Schlaf-Wach-Rhythmus bekommen – klappte nicht ganz so toll. Im Bett legte sich direkt wieder ein Schalter in meinem Kopf um und ich war wach.

Über jede Stunde Schlaf, die ich in dieser Zeit bekam, war ich dankbar. Denn wenn ich schlief, konnte ich für einen kurzen Moment diese anderen schlechten Gefühle nicht fühlen.

Zeitweise lag ich auf dem harten Boden und versuchte mein Glück auf der Couch. Ich hörte Kinderhörspiele -auf Kassette, damit das Rauschen dabei war. Ich trank warme Milch und Einschlaftees – was mir eher einen weiteren Toilettengang bescherte.

Es ist einfach zermürbend, nicht richtig schlafen zu können – vor allem, wenn der Körper eh schon so geschwächt ist. Alles krampft, alles tut weh, zu heiß, zu kalt – oft im Wechsel. Der ganze Körper ist durcheinander. Da ist vielleicht die Sehnsucht nach so etwas Normalem wie Schlaf eventuell nachvollziehbar. Doch es geht hier ja nicht nur um die anstrengende Nacht, denn darauf folgt direkt der nächste anstrengende Tag – und so geht es immer weiter.

Irgendwann habe ich mich an ein Spiel erinnert. Es wurde mir in einer Tagesklinik beigebracht und galt eigentlich der Konzentrationsförderung. Doch ich dachte, es kann ja auch gut dazu sein, meine kreisenden Gedanken zu durchbrechen. Und wenn ich lange genug meine kreisenden Gedanken durchbreche und mich dabei auf etwas anderes konzentriere, könnte ich vielleicht zur Ruhe kommen.

Voller Stolz kann ich verkünden:
Es hat funktioniert!

Dieses Spiel möchte ich dir hier nicht vorenthalten. Vielleicht habe ich dir an anderer Stelle aber auch schon einmal davon erzählt, denn ich habe es seither an unterschiedlichen Stellen angewendet. Immer mit Erfolg.

Du kannst es zum Beispiel mit Tiernamen, Städten, Flüssen etc. spielen und es läuft immer gleich ab. Ich nehme jetzt für die Erklärung hier das Thema Tiere. Ich fange mit Hase an. Hase endet mit einem „e“, also beginnt das nächste Tier mit einem „e“ = Elefant. Da Elefant mit einem „t“ endet, beginnt das neue Tier mit einem „T“ – und immer so weiter. Am Anfang fallen dir vielleicht noch viele Tiere ein, doch es werden irgendwann weniger.

Für dieses Spiel gibt es noch Varianten, weshalb es eigentlich nie zu einfach wird. Immer wieder wirst du dadurch deine Gedanken ablenken können und mit etwas Glück auch einschlafen.

Es gibt selbstverständlich noch andere Methoden, um in einen guten Schlaf zu kommen – doch diese funktioniert in so vielen Lebenslagen, dass ich sie dir einfach nicht vorenthalten wollte.